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4. Dezember 2001
Ein offener Brief an den Zürcher Stadtrat: Welche Informatik bekommen unsere Kinder?
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Sehr geehrte Frau...
Sehr geehrter Herr...
In letzter Zeit wurden verschiedene Projekte ins Leben gerufen mit der Absicht, unseren Kinder vermehrt Erfahrungen mit der Informatik und mit dem Internet zu vermitteln. Das Projekt "KITS für Kids" in der Stadt Zürich gehört zu den wichtigsten dieser Art.
Als Schweizer Informatiker-Verein, der sowohl um das Wohl unserer Kinder wie auch um die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes besorgt ist, unterstützen wir dieses Ziel. Den getroffenen Entscheid, ohne Ausschreibung einen einzigen Hersteller als Software-Lieferanten zu bestimmen, können wir jedoch nicht gutheissen.
Dieser Entscheid hat langfristige und nachteilige Wirkungen auf unsere Kinder, auf unsere Wirtschaft und auf unsere Gesellschaft, zum Beispiel:
- Lektionen im Umgang mit geistigem Eigentum. Sollen Schüler nur mit Programmen in Kontakt kommen, die proprietär sind, deren innere Abläufe nicht untersucht werden dürfen, die nicht einmal legal kopiert und zu Hause installiert werden dürfen?
- Informatik ist nicht mit einem einzigen Hersteller gleichzusetzen. Die Schulzeit sollte Neugier wecken und die Möglichkeiten der Welt zeigen. Wollen wir unseren Kindern nur eine geschlossene und proprietäre Landschaft zeigen?
- Die Kosten trägt nicht nur die Stadt Zürich, sondern auch die Eltern. Kinder müssen ja Hausaufgaben machen. Dazu müssen die Eltern auch PC's und Software kaufen. Eine proprietäre Software-Monokultur in der Schule hat zur Folge, dass auch Familien die Kosten für Neuanschaffungen und Updates tragen müssen. Sollen diese Kosten nicht in den Auswahlkriterien berücksichtigt werden?
- Was die Kinder in der Schule lernen, wollen sie im Berufsleben einsetzen. Diese Vorliebe schafft wirtschaftliche Vorteile, die mindestens 20 Jahre lang bestehen. Ist es die Rolle des Staates, einen einzigen (nota bene ausländischen) Hersteller langfristig derart zu bevorzugen?
- Microsoft hat gerade 25'000 Schweizer Firmen mit rechtlichen Konsequenzen gedroht, falls sie nicht innert 25 Tagen belegen, dass jedes einzelne Software-Programm rechtmässig erworben wurde. Welche Inventar- und Rechtspflege-Kosten wird diese Aktion verursachen? Soll die Stadt Zürich ausgerechnet diese Firma jetzt mit einem Auftrag in Millionenhöhe belohnen, ohne nach Alternativen zu suchen?
Wegen dieser und anderer wichtigen Gründe empfehlen wir als unabhängiger Informatik-Fachverein:
- dass die Auswahl des Betriebssystems und anderer kritischer Software nach offengelegten Kriterien zu treffen ist.
- dass als Auswahlkriterien nicht nur kurzfristige operationelle Faktoren , sondern auch die langfristige pädagogische Wirkung, die indirekten Kosten, sowie die politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen berücksichtigt werden.
- dass in den Schulen keine Informatik-Monokultur herrschen darf. Mindestens zwei Betriebssysteme sollten strategisch eingesetzt werden. Mindestens eines davon sollte auf Freier Software aufgebaut sein (Linux, BSD oder ähnliche).
- dass Schüler während ihrer Laufbahn in Kontakt mit allen diesen Systemen kommen sollten.
Als Fachverein, dessen Mitglieder alle relevanten Technologien einsetzen und damit vertraut sind, sind wir gerne bereit, mit der Stadt Zürich nach Lösungen zu suchen, welche den gesellschaftlichen, pädagogischen, operationellen und finanziellen Anforderungen der Stadt, der Kinder und der Eltern gerecht werden.
Mit freundlichen Grüssen
/ch/open
Peter B. Stevens
Marco Demarmels
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