Swiss Open Systems User Group

UNIX in den 80ern

Die /ch/open geht aus der UNIGS (UNIX Interessengemeinschaft Schweiz) hervor. Die UNIGS wurde am 10. Dezember 1982 gegründet. Aus der UNIGS heraus entstand ein zweiter paralleler Verein, die CHUUG (Swiss UNIX User Group), der eine Zeit lang spezielle Interessen verfolgte. Die zwei Vereine wurden später wieder zur /ch/open zusammengeführt.

Initiant der UNIGS war Prof. Rudolf Marty, der auch das Amt des ersten Präsidenten übernahm. Er lernte UNIX als Assistenzprofessor in den USA kennen und brachte es mit zurück in die Schweiz, wo es an der Universität auf einer DEC VAX 1170 installiert wurde. Prof. Bernhard Plattner, damals Dozent am Neutechnikum in Buchs, interessierte sich auch für UNIX. Er hatte für sein Institut UNIX Edition 6 beschafft. Weitere Gründungsmitglieder waren (u.a.): Urs Marti, Denis Baggi († 30.03.13), Adrian Eberle (Telekurs AG), Harold Bachmann (Alkon AG), Jean-Pierre Kousz und Sepp Gähwiler.

Da es der Firma AT&T, in welcher UNIX bekanntlich geboren wurde, untersagt war, UNIX kommerziell zu nutzen, war es anfänglich nur Bildungsinstituten erlaubt, UNIX Lizenzen überhaupt zu erwerben. Kostenpunkt für die Lizenz inklusive Source Code: 800 USD. Später wurde es auch für Firmen möglich, UNIX kommerziell einzusetzen. In der Schweiz war es als erste die Firma Mettler, die für die Lizenz und den Source Code 40'000 USD zahlte. Anfänglich waren es Engineeringfirmen (Gründungsmitglieder: Alkon AG, DATOS AG, Interatuomation AG, Stolz AG, Wyttenbach Elektronik AG), erst später Dienstleistungsbetriebe, die sich für UNIX interessierten.

Die Initiative ging meist von Einzelpersonen aus, welche sich innerhalb ihrer Firmen für UNIX engagierten. Bis anfang der 90ger Jahre musste sich UNIX gegenüber kommerziellen Anbietern behaupten. Es war allgemein nicht leicht, einen UNIX Rechner zu beschaffen, da von den meisten Entscheidungsträgern proprietäre Systeme bevorzugt wurden. Solche Innovationen stellten eine Abweichung von der Usanz dar: DEC protestierte beim Zürcher Regierungsrat, als das Physikinstitut der Universität einen UNIX Rechner beschaffen wollte. Sun (Stanford University Network, einer der Gründer ist Bill Joy, u.a. bekannt als Erfinder von vi und der C-Shell) war die erste Firma, die ihre Produkte ausschliesslich mit UNIX ausstattete.

Die damals bekannten Plattformen wie DEC, Data General oder Prime Computer stellten geschlossene Systeme dar. UNIX war deshalb faszinierend, weil der Source Code offen war und man selber Veränderungen vornehmen konnte. Neue Features wie UUCP und E-Mail, der abschreckend hohe Preis der DEC Betriebssystem-Sourcen, die weite Verbreitung von UNIX an Universitäten und Forschungsinstituten und nicht zuletzt die frei erhältlichen GNU Softwaretools trugen das ihre zur Popularität von UNIX bei.

Es fällt auf, dass damals mit UNIX wie heute mit GNU/Linux und *BSD ein vergleichbares Phänomen auftrat, nämlich ein günstiges Betriebssystem mit offenen Sourcen und einer reichen Sammlung an freien Software-Werkzeugen.

Beeindruckend waren übrigens auch die Kosten für Hardware: Hier der Kaufvertrag der HSR (damals ITR, Interkantonales Technikum Rapperswil) für ein Midrange-System von Perkin-Elmer!

Letzte Änderung:  11.01.2014

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